TyMin

Von der qualitativen Typologie zum quantitativen Messinstrument: Epistemologische ?berzeugungen von Lehrkr?ften der geisteswissenschaftlichen F?cherdom?ne


Ein Kooperationsprojekt zwischen der Universit?t Bamberg (Dr. Caroline Rau) und dem Leibniz-Institut für Bildungsverl?ufe (LIfBi, Prof. Dr. Jana Costa, Universit?t Hildesheim) gef?rdert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Ziel

Das Projekt TyMin verfolgt das zentrale Ziel, qualitative Forschungsergebnisse, die in Form von Typologien vorliegen, systematisch in ein messbares, quantitatives Design zu übersetzen. Konkret wird ein Messinstrument entwickelt, um die epistemologischen ?berzeugungen von Lehrkr?ften in geisteswissenschaftlichen F?chern zu erfassen. Da solche Messwerkzeuge bisher vor allem für epistemologische ?berzeugungen im Bereich der Naturwissenschaften existierten, schlie?t das Vorhaben eine bedeutende Forschungslücke. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt des LIfBi und der Universit?t Bamberg. Ein interdisziplin?res Netzwerk aus nationalen und internationalen Partnern unterstützt das Projektteam. Durch diesen Austausch werden methodische Herausforderungen reflektiert und an einer Weiterentwicklung der Verschr?nkung qualitativer und quantitativer Forschungszug?nge gearbeitet.

Hintergrund

Das Projekt TyMin besch?ftigt sich mit den ?berzeugungen von Lehrkr?ften darüber, was ?Wissen“ eigentlich ist, wie es hergestellt wird und wie man es am besten lernt und lehrt. W?hrend es für F?cher wie Mathematik oder Physik Instrumente gibt, um diese Ansichten zu messen, fehlte so etwas für die geisteswissenschaftlichen F?cher (wie Deutsch, Geschichte oder Religion) bisher fast v?llig. Das liegt vor allem daran, dass Wissen in diesen F?chern weniger greifbar ist: Es gibt oft nicht die eine ?richtige“ L?sung, sondern viele verschiedene Wege, zum Beispiel ein Gedicht oder ein historisches Ereignis zu interpretieren, zu verstehen, zu decodieren und mit Bedeutung zu versehen. Interpretationen und Deutungen sind hier also vielf?ltig und nicht eindeutig, was Lehrkr?fte vor besondere Herausforderungen im Unterricht stellt. Wie sie diesen Herausforderungen in ihrem Berufsalltag begegnen und welche ?berzeugungen, Perspektiven und Ideen sie dazu haben, wird im TyMin-Projekt unter die Lupe genommen.
In einer früheren Studie wurden bereits ausführliche Gespr?che mit Lehrkr?ften geführt und dabei mittels der Dokumentarischen Methode drei Typen rekonstruiert, wie Lehrerinnen und Lehrer in geisteswissenschaftlichen F?chern mit Wissen und unterschiedlichen Perspektiven und Bedeutungsvarianten umgehen. Im Projekt TyMin sollen diese Erkenntnisse nun in einen standardisierten Fragebogen übersetzt werden, um die Verteilung dieser ?berzeugungsmuster auf Basis repr?sentativer Stichproben generalisierbar zu machen und korrelative Zusammenh?nge, etwa zur Berufserfahrung oder Schulform, statistisch prüfen zu k?nnen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, implizite (konjunktive) Wissensbest?nde, die den Lehrkr?ften oft nicht bewusst sind, methodisch kontrolliert in standardisierte Items zu übersetzen

Vorgehen und Methoden

Das Vorgehen im Projekt TyMin ist systematisch in vier Arbeitspakete untergliedert, um methodisch fundiert ein quantitatives Messinstrument zu entwickeln. Dabei werden verschiedene Erhebungs- und Analysemethoden im Sinne eines Mixed-Methods-Ansatzes kombiniert.

Die vier Arbeitspakete und ihre Methoden
1.     Itementwicklung: In diesem ersten wichtigen Schritt wird die qualitative Typologie, also die Erkenntnisse aus den früheren Lehrkraftinterviews, in konkrete Testfragen bzw. Items übersetzt. Die besondere Herausforderung besteht dabei darin, dass Lehrkr?ften ihre eigenen Orientierungen h?ufig reflexiv nicht zug?nglich sind, wobei diese Orientierungen ma?geblich unterrichtliches Handeln strukturieren. Dies wird in der Konstruktion der Items stets mitgedacht.
2.    Qualit?tssicherung: Bevor der Fragebogen eingesetzt wird, wird er umfassend auf Verst?ndlichkeit (durch Lehrkr?fte) und auf wissenschaftliche Genauigkeit (durch ein internationales Expertenteam) geprüft.
3.    Entwicklungsstudie: Das Projektteam exploriert, ob sich die Muster, die in der Typologie sichtbar werden, auch in einer Stichprobe von 600 Lehrkr?ften widerspiegeln. Zudem wird untersucht, wie die ?berzeugungen beispielsweise mit der Berufserfahrung oder der Schulform zusammenh?ngen.
4.    Ergebnisse teilen: Die Befunde werden kontinuierlich in Fachzeitschriften publiziert und auf Tagungen pr?sentiert.

Datenerhebung und -aufbereitung

Die Datenerhebung im Projekt TyMin ist zweiphasig strukturiert: Auf kognitive Interviews (n = 40) zur Validierung der Item-Verst?ndlichkeit folgt eine quantitative Entwicklungsstudie mit insgesamt 600 Lehrkr?ften (siehe ?Vorgehen und Methoden“).
Bei der Datenaufbereitung wird h?chste Priorit?t auf den Datenschutz gelegt. Zur F?rderung der Forschungstransparenz werden die Daten abschlie?end in Open-Access-Repositorien der wissenschaftlichen Community zur Verfügung gestellt.

Projekt-Steckbrief

-    Projektleitung an der Universit?t Bamberg: Dr. Caroline Rau
-    Projektleitung am LIfBi: Prof. Dr. Jana Costa 
-    Antragstellung: Dr. Caroline Rau (Otto-Friedrich-Universit?t Bamberg) & Prof. Dr. Jana Costa (LIfBi & Universit?t Hildesheim)
-    Projektlaufzeit: 01.02.2026 - 30.04.2029
-    F?rderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Publikationen

  • Costa, J. & Rau, C. (2025): Bridging qualitative reconstructive typologies and quantitative measurement: A reflective approach to methodologically sound item development for the assessment of teachers’ epistemological beliefs in teaching humanities subjects [57 paragraphs]. In: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 26(3), Art. 17, https://doi.org/10.17169/fqs-26.3.4361
  • Rau, C. & Gebauer, M. M. (2025): Wissensformen. In: Syring, M., Bohl, Th., Gr?schner, A. & Scheunpflug, A. (Hrsg.): Studienbuch Bildungswissenschaften. Grundbegriffe kl?ren und Forschungszug?nge er?ffnen (S. 302–314). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt/UTB.
  • Scheunpflug, A. & Rau, C. (2025): Wissen. In: Syring, M., Bohl, Th., Gr?schner, A. & Scheunpflug, A. (Hrsg.): Studienbuch Bildungswissenschaften. Grundbegriffe kl?ren und Forschungszug?nge er?ffnen (S. 193–209). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt/UTB.
  • Borgstede, M. & Rau C. (2023): Beyond quality and quantity: Representing empirical structures by embedded typologies. In: Frontiers in Education, 8. https://doi.org/10.3389/feduc.2023.1087908 [Diese Arbeit wurde mit dem Mixed-Methods-Preis der Association for Supporting Qualitative Research (ASQ) im Jahr 2024 im Rahmen des Kongresses der deutschen Gesellschaft für 球探足球比分 (DGPs) ausgezeichnet.]
  • Rau, C. (2021): Die Wissensgrundlagen des eigenen Fachs verstehen – empirische Befunde zu den epistemologischen Orientierungen von Lehrkr?ften geisteswissenschaftlicher F?cher. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 24(1), S. 91-112. 
    https://doi.org/10.1007/s11618-021-00992-y
  • Rau, C. (2020): Kulturtradierung in geisteswissenschaftlichen F?chern. Eine rekonstruktive Studie zu epistemologischen ?berzeugungen von Lehrkr?ften. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. http://dx.doi.org/10.35468/5811